Apple und künstIiche Intelligenz: Trotz differenzierter Datennutzung soll Siri hochpersonalisierte Services liefern

Das Thema ist ja auf dem CIOKurator wohl präsent und diskutiert: Apples persönlicher Assistent Siri scheint nach Wahrnehmung vieler Marktbeobachter gegenüber den Wettbewerbern von Google, Amazon und Microsoft abzufallen. Mark Sullivan greift das in einem ausführlichen Artikel auf FastCompany auf. Diese Wettbewerber nutzen die Daten „hemmungsloser“: Sie erzielen hochpersonalisierte Erfahrungen und Services, indem so viele persönliche Daten wie nur möglich von allen möglichen Geräten (Smartphone Tablet, Computer, Uhr etc.) und Cloud-Diensten (E-Mail, soziale Netze, Dateidienste etc.) in der Cloud des jeweiligen Anbieters gesammelt, kombiniert und mit Machine Learning analysiert werden. Durch Auswertung dieser Datenflut entsteht ein differenziertes Bild über Gewohnheiten, Absichten und Einkaufswünsche der Anwender

Apple setzt dagegen auf eine differenzierten Datenverwertung. Über die vergangenen Jahre hat man sich wohl geweigert, identifizierbare persönliche Daten auf den Servern zu speichern. Private Daten sollen privat und unberührt durch staatliche Institutionen oder Werbetreibende und Apple selbst bleiben. Apples VP of Product Marketing Greg Joswiak verteidigt diese Vorgehensweise und verspricht trotzdem hoch personalisierte Erfahrungen:

“We’re able to deliver a very personalized experience . . . without treating you as a product that keeps your information and sells it to the highest bidder. That’s just not the way we operate.”

via Apple Explains How It’s Making Siri Smart Without Endangering User Privacy

Laut Joswiak sind Datenschutz und künstliche Intelligenz keine sich widersprechenden Prinzipien. Siri wird über alle Geräte hinweg – so Apple-Verantwortliche – immer wichtiger werden. Ein großer Teil der Datenanalyse, die für die Personalisierung notwendig ist, geschieht aber im Gegensatz zum Wettbewerb auf den Geräten, ohne dass Apple selbst Zugriff auf die Daten hat. Creative Strategies Research Analyst Ben Bajarin:

“They are erring on the side of privacy by doing a lot on the device, and not so much in the cloud as other people do, … It’s just a very different approach than the way Facebook, Google, and, to some extent, Amazon, are going about it.”

via Apple Explains How It’s Making Siri Smart Without Endangering User Privacy

Persönliche Daten werden demnach anonymisiert, bevor sie an Apple-Server geschickt werden. Die zurück gesendeten Informationen und gewonnenen Erkenntnisse werden dann auf dem Gerät – und nicht in der Cloud – mit dem Anwender verknüpft. Greg Joswiak:

“Your device is incredibly powerful, and it’s even more powerful with each generation, … And with our focus on privacy, we’re able to really take advantage of exploiting that power with things like machine learning on your device to create an incredible experience without having to compromise your data.”

via Apple Explains How It’s Making Siri Smart Without Endangering User Privacy

Auch Apple trainiert seine Modelle der künstlichen Intelligenz in der Cloud, aber demzufolge ohne identifizierbare Anwenderdaten. Teilweise schwer vorstellbar, wie das bei einigen Services funktionieren soll, die auf persönliche Daten angewiesen sind. Apple wird Siri und dessen Fähigkeiten verbessern müssen, um wettbewerbsfähig bleiben oder im Falle der Kombination Amazon Alexa-Echo werden zu können.

Brian Croll, Apple’s VP für Product Marketing für Software, beschreibt den typischen Apple-Ansatz im Gegensatz zu dem, was er den Silicon Valley-Ansatz nennt:

“Companies often invent technologies and it’s like they have a hammer and then try to find a nail … We start with a consumer problem and then go to our toolbox of technologies and figure out which ones will help us build what we want to build. … Because consumers don’t really care about technology for the sake of technology—they care about what it does.”

via Apple Explains How It’s Making Siri Smart Without Endangering User Privacy

Genau da kann sich Apple aber ins Knie schiessen. Wenn Alexa & Co mehr besser tun als Siri, wenn sich die Anwender wie leider oft nicht um Datenschutz scheren, dann wird sich auch Apple warm anziehen dürfen. Schon jetzt muss man Amazon Echo und Alexa hinterher laufen, ja hecheln …

Meine 2 Cents: Ich bin nicht sicher, ob Apple sein Versprechen wahr machen und vergleichbare personalisierte Dienste via Siri liefern kann. Ich finde es aber erstaunlich, wie wenig das Thema Datenverwertung von Google, Amazon und Facebook – Microsoft ist für mich noch ein Fragezeichen in punkto Datenverwertung – gerade auch von Presse und sogenannten Experten thematisiert wird, in den USA, aber auch hierzulande. Ja, eine Allianz von Amazon und Microsoft, wo die beiden KI Systeme miteinander kommunizieren, ist relevant, aber ist nicht genauso wichtig oder noch wichtiger, wie mit meinen persönlichen Daten umgegangen wird und wer sie wie verwertet? Diese Frage sollte gerade auch im Unternehmenskontext gestellt werden, wenn man KI-Systeme bewertet. Faule Äpfel sollte man sich dort bestimmt nicht leisten.

(Stefan Pfeiffer)

 

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