McKinsey-Umfrage: Kann IT durch Externe ersetzt werden und was ist der Ausweg für den CIO

CIO’s, vernehmt die Signale: 43 % der Führungskräfte denken, dass IT in signifikantem Maße oder komplett durch externe Anbieter oder Dienstleister ersetzt werden kann, so eine Umfrage von McKinsey. Diese Zahl ist sogar seit der letzten Umfrage gestiegen. Das sollte zu denken geben. Und die Überschrift des McKinsey Beitrags ist entscheidend auch für die Zukunft und die Rolle des CIO’s: Was ist der Wertbeitrag, der Mehrwert, den eine eigene IT einem Unternehmen (noch) bringt?

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Sinnigerweise gehen die Befragten davon aus, dass Informationstechnologie immer weiter an Bedeutung gewinnt, da Technologie im Zeitalter der Digitalisierung immer zentraler für das Geschäft wird. Aber nicht die IT Abteilung wird demnach die meiste Arbeit leisten: Fachabteilungen übernehmen, so die Umfrage, den Großteil der Tätigkeiten, denn man traut der IT viele Lösungen nicht zu oder ist unzufrieden, wie die diese Grafik zeigt:

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Offensichtlich kämpfen CIO und IT Abteilung mit der Wahrnehmung, dass sie in ihrer herkömmlichen IT Tätigkeit, aber auch in zukunftskritischen Bereichen nicht leistungsfähig genug sind. Wie sonst käme es zu den oben beschriebenen Aussagen?

Nicht nur die McKinsey-Studie rät den Führungskräften das Übel bei der Wurzel zu packen: Der CIO müsse Partner der Geschäftsführung werden und eigene Fähigkeiten und den Einfluss in der Organisation ausbauen. Es sei Aufgabe der IT, vorzuschlagen, wie man durch die Nutzung von Technologien das eigene Geschäft und Innovation vorantreiben könne. Parallel dazu müsse der CIO seine operativen Herausforderungen und die personellen Probleme, die richtigen Talente zu finden, angehen, die IT Ineffizienzen zugrunde liege.

Um den Herausforderungen zu begegnen, die in der Studie offengelegt wurden, schlägt McKinsey 3 wichtige Schritte vor, die CIO und Abteilungen helfen, ihren Mehrwert und ihren Beitrag zum Geschäft zu stärken. Die drei Massnahmen greifen so McKinsey, ineinander, so dass es Sinn macht, alle drei Bereiche parallel anzugehen.

  • Die CIO’s sollen ihre Stellenbeschreibung neu schreiben! Trotz der Performanceprobleme und einer unsicheren Zukunft solle man die Erwartung an die Geschäfts- und digitale Verantwortung der IT steigern. Und ran ans Geschäft und den CEO. Und letzteres gehe nur, wenn man Aufgaben anpacke, die den CEO interessieren: Kundenorientierung und Kundendienst, Multikanal Design, Einsatz von Analytics zur Verbesserung der Ergebnisse oder Automatisierung im Unternehmen.
  • Die drei wesentlichen Säulen von IT Ineffizienz sollten adressiert werden. Man müsse Prioritäten neu mit dem Geschäft abstimmen, die eigene Organisation neu mit agilen Methoden und Arbeitsweisen aufzustellen, um besser operieren zu können, und Mitarbeiter weiterbilden sowie neue Talente finden, um mögliche Knowhow-Defizite zu beseitigen.
  • Der CIO müsse zum Integrator werden, der die technologische Führung im Unternehmen an- und übernimmt. CIO und IT Abteilung sollten zentraler Architekt und Dirigent aller technologisch getriebenen Innovationen und Fähigkeiten werden. Das gehe nur, wenn durch Freischaufeln von Zeit und Ressourcen und enger Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen.

via IT’s future value proposition | McKinsey & Company

Meine 2 Cents: Geh näher ans Geschäft und pack den Stier an Hörnern. Das ist das Credo der Empfehlungen von McKinsey. Und da kann man natürlich nur nicken. Jedoch kommen mir drei wichtige Aspekte zu kurz: Noch immer hat der reibungslose Betrieb hohe, oft höchste Priorität, wie auch beispielsweise in der Studie von HarveyNash & KPMG wieder herausgekommen ist. Das ist auch wichtig und richtig, jedoch sollte diese Prämisse nicht andere, nach vorne gerichtete Aufgaben blockieren.

Damit wir beim zweiten wichtigen Punkt: Die Budgets und Ressourcen des CIO wachsen nur sehr moderat. Fachabteilungen bekommen wesentlich höhere Gelder und oft auch Personal für deren digitale Tätigkeiten. Dies wird sich auch solange nicht ändern, wie CIO und IT als Blockierer oder desinteressiert an Digitalisierung wahrgenommen werden. Erst wenn der CIO als Führer der digitalen Transformation angesehen wird, wird sich das ändern.

Und schließlich schwappt eine ganze neue Welle von Sicherheits- und Compliance-Anforderungen auf uns zu. Immer mehr Daten, immer Kommunikationskanäle, immer mehr Devices (Internet of Things), immer höhere Digitalisierung, bieten auch immer höhere Angriffsflächen. Dem muss man sich bewusst sein. Dies ist sogar eine Chance für CIO und IT, wenn man sich nicht wie in vergangenen Jahren – Stichwort Schatten-IT – auf Verbieten und Ignorieren kapriziert und stattdessen Sicherheit bewusst gestaltet.

Hinzu kommen Anforderungen wie GDPR (bzw. deutsch EU-DSVGO). Sie sind nur ein Beispiel, wo der Aspekt Compliance und Governance eklatant an Bedeutung gewinnt. Auch das ist Herausforderung und Chance zugleich, sich ins Bewusstsein der Führungskräfte zu rücken. Die IT-Abteilung ist sogar einzigartig positioniert, solche Anforderungen umzusetzen. Aber auch hier aufpassen, dass man nicht wieder in die Rolle des bösen Bubis fällt

All diese Aspekte muss man jenseits gut gemeinter McKinsey-Ratschläge im Blick behalten. Es wird ein Spagat werden, den CIO und IT Abteilung machen müssen, um ihre Jobs und ihre Bedeutung zu behalten, zurück zu gewinnen oder zu steigern. Artikel ebenfalls nicht berücksichtigt. Jedoch kommt der CIO an diesem Spagat zwischen reibungslosem Betrieb, (noch) flachen Budgets, steigenden Governance-Anforderungen bei gleichzeitiger Integration und Innovation im Sinne der digitalen Transformation nicht vorbei.

(Stefan Pfeiffer)

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