Die (notwendige) neue digitale Denke des CIO’s

Wir beschäftigen uns hier auf dem CIOKurator immer wieder mit der Rolle des CIO’s, die derzeit stark in Frage gestellt und diskutiert wird. Verfolgt man die vielfältigen Beiträge so kaufen CMO und Geschäftsbereiche ihre Lösungen unterdessen selbst ein und haben dafür signifikante Gelder zur Verfügung, während das klassische IT-Budget nur moderat steigt. An anderer Stelle scheint der Chief Digital Officer dem CIO das Wasser abzugraben, ihn die Techie-Ecke zu verbannen, während er, der CDO, das Business kennt und die digitale Transformation voranbringt. Immer mehr IT scheint nicht mehr unter der Kontrolle des CIO, Stichwort Schatten-IT. Kein Wunder also, dass rund um die künftige Rolle des CIO’s kontrovers debattiert wird.

Aber gibt es überhaupt die Rolle? Oder gibt es ganz verschiedene Rollen beziehungsweise Rollenverständnisse? Die Studien der üblichen Verdächtigen – von HarveyNash/KPMG über Deloitte und Gartner bis zum IBM Institute of Business Value (IBV) – identifizieren derzeit zwei bis 3 CIO’s mit einem mehr oder weniger idealtypischen Fokus. Sie sehen meist den klassischen CIO, dessen Schwerpunkte klar ein reibungsloser Betrieb, hohe Service Levels und Kostensenkungen bei gleichzeitiger Effizienzsteigerungen sind. Auf der anderen Seite haben wir CIO’s, die den Wandel aktiv gestalten, komplexe Technologie-unterstützte Transformationen durchführen. Sie denken und handeln in ihrer progressivsten Ausprägung unternehmerisch, betten die IT in das Geschäft ein, um so (wieder höheren) Einfluss und Relevanz zu gewinnen.

Klar ist, dass die Herausforderungen groß sind, denn das Business will in der Zeit des digitalen Wandels schnell passende Lösungen. Immer mehr Technologie soll immer schneller und maßgeschneiderter ausgerollt werden. IT-Abteilung und CIO werden von Technologien wie Big Data, Marketing Software, Internet of Things, Blockchain, künstliche Intelligenz. Robotics oder konversationsorientierte Kundendienstlösungen quasi überrollt. Der althergebrachte Weg mit monolithischen Unternehmenslösungen scheint vorbei zu sein. Klar scheint auch zu sein, dass mit den bisherigen Budgets, die klassischerweise zwischen 3 und 6 Prozent des Unternehmensumsatzes liegen, die neuen An- und Herausforderungen nicht zu lösen sein werden. Unternehmen, die digital führen, investieren meist mehr als das Doppelte in ihre IT.

Doch es geht nicht nur um Geld. Es geht auch um das angesprochene Rollen- und Selbstverständnis des CIO’s. Dion Hinchcliffe hat diese Grafik entwickelt, in der er sechs Eckpfeiler dieser neuen Denke illustriert:

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CIO’s sollen demnach:

  • eine Startup-Mentalität fördern, Mut zum Experimentieren und Ausprobieren haben,
  • Konzepte der Digital Nativen wie Plattformen und Ökosysteme übernehmen,
  • sich unbedingt auf den Kunden und dessen Bedürfnisse konzentrieren,
  • beispielhaft führen und sich engagieren, um so für die besten Talente attraktiv zu sein,
  • ständig den Markt nach Wandel scannen und als Treiber des Wandels agieren und
  • in der Geschäftsführung Botschafter und Vordenker der digitalen Transformation sein.

Hohe Ansprüche an den neuen CIO. Wir werden uns in den kommenden Wochen mit Praktikern zum Thema unterhalten und auch das Modell beziehungsweise die hier bereits vorgestellten Modelle, wie CIO’s künftig agieren, diskutieren und weiter entwickeln.

(Stefan Pfeiffer)

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