Deutschland – ohne Digitalisierung in die Krise?

In dem Mitte August veröffentlichten Diskussionspapier „ICT and Resilience in Times of Crisis“ weist das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) den Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Produktivität nach.

„Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad sind grundsätzlich produktiver als gering digitalisierte. Denn um erfolgreich zu digitalisieren, müssen Produktions- und Arbeitsprozesse angepasst werden, wodurch Unternehmen effizienter und produktiver werden.“

via http://www.zew.de/de/presse/pressearchiv/unternehmen-mit-hohem-grad-an-digitalisierung-sind-fuer-krisenzeiten-besser-gewappnet/

In Krisenzeiten – die Arbeit untersucht Unternehmen aus zwölf EU-Länder und sieben Industrien im Zeitraum von 2001 bis 2010 – hätten stärker digitalisierte Unternehmen insbesondere aus dem Dienstleistungssektor in ihrer Produktivität, die bei gering digitalisierten Unternehmen stark zurückging, kaum Einbußen erlitten und waren auch erfolgreicher darin, Prozessinnovationen zu realisieren und durch diese effizientere Gestaltung von Prozessen Kosten einzusparen. Digitalisierung hilft also Unternehmen, „flexibel auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren und Krisenzeiten besser zu überstehen“.

Schauen wir auf den Innovationsindikator, den das ZEW zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft knapp drei Wochen zuvor veröffentlicht hatte.

Im Wettbewerb der innovationsstärksten Volkswirtschaften der Welt rangiert Deutschland zwar auf Rang 4, liegt mit 55 Punkten aber klar hinter Spitzenreiter Schweiz mit 75 Punkten. Deutschland, das in keinem der Teilbereiche Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft eine Topplatzierung erreichte, zeigt Schwächen u.a. im Rückgang des Beschäftigtenanteils in wissensintensiven Dienstleistungen.

Besonders hoch aber sei der Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung. Hier rangiert Deutschland auf Rang 17 und mit 44 Punkten deutlich hinter Spitzenreiter Finnland mit 70 Punkten. Handlungsbedarf bestehe etwa in Teilen des Bereichs Forschung und Technologie (#16) sowie bei digitalen Geschäftsmodellen (#15).

Kurz: Deutschland ist eine zwar gute, nicht aber topplatzierte Innovationsnation und in der Digitalisierung gerade mal Mittelmaß. Digitalisierung aber ist ein bedeutender Wettbewerbsvorteil, weil sie effizientere Prozesse voraussetzt, die in Krisenzeiten vor Produktivitätseinbußen schützen.

Wem die Zukunft seines Unternehmens und seines Landes am Herzen liegt, sollte also auf Digitalisierung setzen.

Innovationsindikator_2017_pdf

Digitalisierungsindikator – Gemessen am Digitalisierungsindikator, der für diese Ausgabe der Studie gesondert erstellt wurde, liegt Deutschland mit einem Indexwert von 44 auf Platz 17 deutlich hinter anderen Industrienationen. Copyright: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e. V./Bundesverband der Deutschen Industrie e. V.

(Jörg Grafe)

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