Watson, Wittgenstein und das kollaborative Lernen #CIODebatte #ZP17 #HR_Roundtable #Sommerinterview #StudioZ

Kann man mit ausgereiften Analyticsmethoden der Künstlichen Intelligenz die Lernbedarfe des Einzelnen antizipieren und mit den am besten geeigneten Elementen aus einem stetig wachsenden Pool an granularen Lernelementen abgleichen, wie es Stefan Heil in einem Blogpost dargelegt hat?

Aus Sicht von Siegfried Lautenbacher wird damit das Grundkonstrukt einer problematischen Lernvorstellung bestärkt:

„Die Vorstellung von alleine – und quasi völlig autark – vor sich hin lernender Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die bereits im Begriff ’selbstorganisiert‘ steckt.“

Die Blindheit den Prozessen gegenüber könne man auch im Bereich der digitalen Bildung sehen.

„Lernen wird hier in einem sehr sehr eingeschränkten Sinn gesehen und auf das Prozessieren (vergleichbar einer CPU) von ‚Learning Nuggets‘ (Informationen) beschränkt. Heraus kommt dann ein entsprechendes Ergebnis, nämlich Wissen als rein im Gedächtnis abgespeicherte Information, die man qua Multiple Choice abfragen, bewerten und auch gut managen kann“, schreibt Lautenbacher.

Das eigentliche Merkmal menschlichen Lernens und Wissens, besonders bei der Kompetenzbildung, nicht erfasst.

Welche Algorithmen brauchen wir, um dies anders zu gestalten?

Anhand des Lernens von Sprachen könne man zeigen, dass es sich beim Lernen immer um ein soziales Lernen handelt.

„Hier geht phylogenetisch die Sprachgemeinschaft immer der Ontogenese der individuelle Sprachentwicklung voraus. Dieser Tatbestand bedeutet zugleich, das mindestens das Lernen einer Sprache kollaborativ erfolgt, weil bereits die Bedeutung von Worten aus ihrem aktiven Gebrauch entsteht und von der entsprechenden Sprach-Community geprägt wird. Grammatische Regeln helfen dabei, das Allgemeine aus den einzelnen Anwendungsfällen zu filtern und damit das individuelle Lernen zu strukturieren. Wittgensteins Sprachanalysen folgend stellen wir deshalb für das digitale Lernen die These auf: Es gibt kein ‚privates‘ (rein individuelles) Lernen.“

Eine KI, die das nicht “versteht”, könne beim Lernen nicht wirklich hilfreich sein.

Auch das digitale Lernen müsse kollaborativ organisiert werden.

„Wenn Lernen als sozialer Prozess gestaltet und gelebt wird und die KI dies unterstützt, ändert sich nämlich plötzlich auch der Aspekt der Mühsamkeit. Unter den richtigen Bedingungen macht gemeinsames Lernen Spaß und (erst) ein Peer-Feedback auf Augenhöhe bringt in der Kompetenzbildung wirklich weiter“, so Lautenbacher.

Soziales Lernen in den Unternehmen sei deshalb sinnvoll, weil es an den konkreten kollaborativen Problemen der Gruppen und Teams ansetzt, und darüber wiederum zu einem individuell intrinsischen Ziel werden kann.

„Wenn Watson hierbei kollaborativ unterstützt und die letzten mühseligen Elemente, wie etwa das Sammeln, Clustern und Zuordnen der vorhandenen und/oder benötigten Informationen für die Community, übernimmt, dann befreit es uns tatsächlich von der Mühsal des Lernens.“

Auch eine individuelle Informationsüberlastung könne kollektiv recht einfach aufgelöst werden, weil gar nicht jeder alles wissen muss. Mit sozialen Lernprozessen gehe eine „kognitive Arbeitsteilung“ praktisch wie von alleine einher. Watson wiederum werde erst darin seinen Platz finden.

Konsequenterweise müssten Algorithmen das kollaborative Lernen berücksichtigen, also beispielsweise als Teil einer Gruppe auf die verschiedenen Interessen und Perspektiven Rücksicht nehmen können.

„Wir denken, dass jetzt der rechte Zeitpunkt dafür ist, diese Debatte zu starten und darüber nachzudenken, wie Watson, (Deep) Machine Learning oder noch einmal allgemeiner Lernalgorithmen, im Sinne einer Grammatik und Didaktik des Social Learning gestaltet werden können“, resümiert Lautenbacher.

Eine schöne Steilvorlage für das Bonner Sommerinterview mit dem Schweizer Bildungsethiker Christoph Schmitt. Thema: Wie die Digitalisierung das Bildungssystem abschafft und wie mögliche Alternativen aussehen.

Am Samstag, den 19. August, um 10 Uhr.

 

Wie die Digitalisierung unser Bildungssystem abschafft und wie mögliche Alternativen aussehen – Bonner #Sommerinterview mit dem Schweizer Bildungsethiker Christoph Schmitt

Posted by Gunnar Sohn on Donnerstag, 17. August 2017

Zudem ein interessantes Thema für das #StudioZ auf der Fachmesse Zukunft Personal am 19. und 20. September in Köln. Halle 3.1, Stand F27. HR-Roundtable IBM Lounge. Das sollten wir vertiefen.

Ein Kommentar

Kommentar verfassen