Wir können effizient, aber nicht innovativ: Gespräch mit @MarcWagner1975 zur Zukunft Personal #hr_roundtable #IBMLounge #ZP17 #StudioZ

„Wir können zwar effizient, aber nicht innovativ“, so die Bestandsaufnahme von Marc Wagner von der Detecon zur Innovationsfähigkeit deutscher Großunternehmen:

„Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Sozialisierung der deutschen Führungsmannschaft in der Vergangenheit vielerorts mehr über formale Prozesse, Business-Cases, umfassendes Controlling und Reporting sowie das immer stärkere rausschwitzen von Redundanzen und möglichen ‚Effizienzkillern‘ erfolgt ist, als über unternehmerisches Handeln. Die fehlenden visionären Unternehmereigenschaften werden dann versucht, durch ‚Startup-Ökosysteme, Labs und „Garagen“ sowie die Zusammenarbeit mit renommierten Highfly-Universitäten aufzuwiegen – vielfach ein de facto Outsourcing des Innovationsthemas. Man konzentriert sich lieber auf das bestehende Geschäft und entwickelt dieses weiter – hat in der Vergangenheit ja auch gut funktioniert“, so Wagner.

Das dies nicht mehr wirklich funktioniert zeigen eBranchen wie die Automobilindustrie oder Energiewirtschaft, die sich durch völlig neue Player oder sich veränderte Rahmenbedingungen unsanft wachgeküsst finden.

„Es scheint, als braucht es in Deutschland eine handfeste Krise, damit sich Unternehmenslenker aufgerufen fühlen, ihre bisherige Strategie nachhaltig zu überdenken und den Worten Taten folgen zu lassen“, erläutert der New Work-Evangalist.

Als Beispiel sei der Fukushima-Schock genannt.

„Meine Beobachtung zeigt, dass viele der Labs vom Rest der Organisation mit Argwohn beäugt werden: ‚Das sind die, die mit Geld überschüttet werden und sich alles erlauben können, während wir uns hier mit dem Standard begnügen dürfen‘, so der O-Ton eines Businessverantwortlichen in einem Konzern, der eigentlich für die Konkretisierung und Umsetzung der von den Labs geschaffenen Ideen verantwortlich sein sollte.“

In den nächste Jahren werden wir erleben, wie diese Labs in der Versenkung verschwinden.

Ein weiterer Innovationskiller: Börsennotierte Industrieunternehmen seien meist sehr stark KPI-getrieben. Wenn man Geschäftsverantwortung habe, gibt es keine Honorationskultur für Risiken. Und Gerade deutsche Unternehmen würde das Thema Kapitalmarkt extrem ernst nehmen – viel ernster als amerikanische Unternehmen.

Sobald Unternehmen am Kapitalmarkt gelistet seien, verlieren sie den langfristigen Fokus.

„Man hangelt sich von Berichtsperiode zu Berichtsperiode. Controlling und KPI-Systeme erhalten Einzug und jedes Wort wird fünfmal umgedreht, bevor es an die Öffentlichkeit geht. Die Zahlenwelt dominiert – insbesondere die der ‚großen Zahlen‘. 
Ein großes Hemmnis sowohl für langfristig mutiges Verhalten als auch für Experimente und ’nicht perfekte‘ Lösungen – Grundlage für ‚wirkliche‘ Innovationen“, sagt Wagner.

Alles, was nicht kurzfristig einen „positiven Business-Case” mit signifikanten Zahlen liefert, verliere an Relevanz oder werde aussortiert. Letztlich seien Verträge von angestellten Top-Managern zeitlich befristet und richten sich vielfach nach kurzfristigen, kommerziellen Erfolgs-KPIs.

Letztlich sollten wir uns bei allem Silicon-Valley-Hype darauf rückbesinnen, das nicht die USA als das Land der „Dichter und Denker“ und herausragender, nachhaltiger Unternehmertypen wie zum Beispiel Robert Bosch und Ingenieurskunst bezeichnet wird.

„Eine Stärke, aus der wir schöpfen können – gerade wenn es um die Schaffung eines innovativen Umfeldes geht“, resümiert Wagner.

Wir brauchen mehr Schöper, weniger Zerstörer und Effizienz-Con…

Wo sind nur die innovativen Unternehmer? Gespräch mit Marc Wagner zur Zukunft Personal 2017 #hr_roundtable #IBMLounge #ZP17 #StudioZ

Posted by Ichsagmal.com-Gespräche on Donnerstag, 17. August 2017

Was muss sich ändern, damit wieder schöpferische Unternehmer ans Ruder kommen? Darüber sollten wir am 19. und 20. September auf der Fachmesse Zukunft Personal in Köln diskutieren. Halle 3.1, Stand F 27 beim HR-Roundtable in der IBM-Lounge.

Man hört, sieht und streamt sich im #StudioZ in Köln.

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