Die säuische Agilitätswahn-Kontroverse #CIODebatte

Auf meinen ichsagmal.com-Blogpost zur agilen Sau, die durchs Dorf getrieben wird, gibt es einen interessanten Kommentar von Reiner Knudsen.

Lieber Gunnar, klar gesprochen. Lieben Dank dafür.
Auf einer Veranstaltung, die ich kürzlich besucht habe, hat Prof. Andreas Aulinger von der Steinbeis-Hochschule in Berlin das Phänomen „Agil“ mal auseinander genommen. Wichtig für mich darin war die Feststellung, dass jede Agilität einen stabilen Kern braucht, um die sie realisiert werden kann. Ich habe eher das Gefühl, dass die ganzen Agilitäts-Gurus meinen, eine Wackelpudding-Struktur sei das erstrebenswerte Modell der Zukunft. #GlaubIchNich

Ein wichtiger Einwurf, der mich dazu veranlasste, mich mit den Thesen von Professor Andreas Aulinger zu beschäftigen. Er warnt davor, Agilität mit Flexibilität gleichzusetzen.

„Agile Organisationen sind flexibel und stabil zugleich.“

Auf die ausführliche Darlegung der Methoden verzichte ich an dieser Stelle. Das kann man in seinem Whitepaper nachlesen. Aber eine Erkenntnis ist hier wichtig:

„Viele Unternehmen haben längst klassische und manche auch schon neue Management-Methoden zur Steigerung ihrer Agilität eingesetzt. Und viele sind mit den Effekten nicht zufrieden. Hier stoßen wir an die Erkenntnis, dass ein Werkzeug alleine keine gute Führung und kein gutes Management sicherstellt.“

Mit agilen Mindsets spricht Aulinger eine Voraussetzung an, die noch anspruchsvoller ist als das bloße Kennen und Einüben agiler Methoden. Das unterscheidet sich substanziell von den Mindsets, die in vielen klassischen Organisationen üblich seien.

Es reiche nicht aus, zu wissen, dass flexible Rollen statische Stellen ablösen sollten, dass geteilte Führung individuelle Führung ablösen sollte, dass Selbstorganisation Fremdorganisation ablösen sollte.

Woran es mangelt, sei die Routine mit und die Freude daran, in Unternehmen Haltungen und Verhaltensweisen zu praktizieren, die diese Prinzipien lebendig werden lassen.

Um das zu erreichen, könnte man Methoden zum Einsatz zu bringen, die in der aktuellen Diskussion gar nicht den agilen Methoden zugerechnet werden, die jedoch eine Haltung im Umgang miteinander voraussetzen und schulen, die den agilen Organisationsprinzipien in bester Weise entsprechen.

Dazu zählt Aulinger auch Open Space-Konzepte und Barcamps. Kann ich nur unterschreiben 🙂
Besonders für all jene Führungskräfte, die sich bislang nur als Positionselite verstehen. Oder anders ausgedrückt: Manager führen disziplinarisch – Leader haben Follower. So hat Harald Schirmer von Continental beim Digital Leadership Summit in Köln die Polarität in der deutschen Wirtschaft erläutert.

2 Kommentare

  • Ja, ja, ja, ja, jaaaaahhhhh !
    Klar ist Agilität nicht „jeder kann und macht alles“. Klar braucht jede Struktur, die agil, anpassungsfähig, flexibel sein will Stabilität und die die Menschen darin die Wahrnehmung von individueller Sicherheit. Agilität bedeutet (zum Teil) sich zu öffnen, andere in den eigenen Raum einzuladen und dort zu dulden, sinnvoll miteinander zu kommunizieren, Dinge und Erfahrungen zu teilen etc.

    Ich kann nur (immer wieder – und so langsam rede ich mir den Mund fusselig) jeder Organisation, die sich dem Thema annähern will raten, sich zunächst bewusst und umfassend zu reflektieren und damit zu klären, an welchen Stellen die Voraussetzungen gegeben sind und wo nicht. Ich stoße bei meiner Arbeit zunehmend auf Unternehmen, die diesen Schritt bewusst oder unbewusst – oft in der Hoffnung, mal schnell so nebenbei agil werden zu können – ausgespart haben, und die dann gar nicht so schnell weglaufen können, wie ihnen die Sch… um die Ohren fliegt. Und dabei ist es ganz egal, ob das ein DAX Konzern oder ein kleiner Mittelständler mit 20 Leuten ist.

    Erst, wenn die Basics geklärt sind (und wie gesagt, sie sind es ganz oft NICHT!!!!) kann man starten mit agilen, offenen Methoden und Konzepten an Haltung und Verhalten zu arbeiten.

    Unglaublich viel Schmerz, Misserfolg, Krise, Problem könnte man mit einem sinnvollen und vor allem bewussten Vorgehen vermeiden, aber… naja, manche scheinen den Schmerz zu brauchen 🙁

  • Guido,
    da kann ich Dir nur zustimmen. Das spiegelt auch wieder, was ich immer mehr spüre, nämlich, dass Unternehmen glauben, „bei Agil was machen“ zu müssen oder dringend „Digitale Transformation“ brauchen, aber keine Vorstellung haben, was genau das im Einzelnen überhaupt (für sie) bedeutet. Im schlimmsten Falle landet so ein Auftrag dann bei der IT…

    Es sind eben alles Themen, die sehr nahe an der Unternehmenskultur liegen.

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