CIO oder CDO – wem gehört die digitale Agenda im Unternehmen? #CIODebatte

Die Digitalisierung in den Unternehmen beschäftigt intensiv die CIOs.

„Die strategische Bedeutung der CIOs wächst“, sagt Mark Hayes vom Beratungshaus Harvey Nash im CIO-Kurator-Interview.

Er kennt noch die Zeiten des klassischen EDV-Leiters, in der die IT eine reine administrative Funktion hatte. Die Rückstände, die von dieser angestaubten Funktion ausgehen, seien immer noch zu erkennen – also die reduzierte Sichtweise auf Informationstechnologie für interne Abläufe zu möglichst geringen Kosten.

„Viele CIOs berichten weiterhin an den Finanzvorstand. Aber das ändert sich langsam“, so Hayes.

Vielfach werde der CIO als Business-Enabler positioniert, also als Möglichmacher für neue Geschäftsfelder. Man erkennt es an jenen Unternehmen, in denen CIOs direkt an den Vorstand berichten. In der internationalen CIO-Umfrage von Harvey Nash und KPMG, an der in diesem Jahr 5000 IT-Führungskräfte teilgenommen haben, geben über 60 Prozent zu Protokoll, dass sie direkt dem Vorstand zugeordnet seien. Rund zwei Drittel nehmen regelmäßig an Vorstandssitzungen teil. CIOs mit Vorstandsrang findet man immer noch selten.

Die Aufgaben für CIOs werden komplexer. Sie müssen eine stabile IT zur Verfügung stellen, Maßnahmen zur Abwehr von Cyber-Attacken ergreifen und neue Lösungen für Umsatzsteigerungen entwickeln. So bauen größere Unternehmen Abteilungen für die IT-Sicherheit auf. Entsprechend begehrt sind Cyber-Security-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt.

Das Ganze ist für CIOs allerdings kein Selbstläufer. Sie haben zunehmend Wettbewerber im eigenen Unternehmen: Den Chief Digital Officer (CDO).

„Vor zwei Jahren hatten nur sieben Prozent der Unternehmen einen CDO eingestellt. Dieser Anteil ist auf 24 Prozent gewachsen“, erläutert Hayes.

Digitalisierung als Herausforderung für CIOs

Der Chief Digital Officer als Konkurrent #CIODebatte #CIOKurator

Posted by CIO Kurator on Dienstag, 4. Juli 2017

Die große Frage lautet: Wem gehört die digitale Agenda im Unternehmen?

Das verlangt vom CIO neue Fähigkeiten. Er kann sich nicht mehr als interner Dienstleister zurücklehnen und Anfragen abarbeiten.

„Der CIO muss intern ein Beziehungsnetzwerk aufbauen und pflegen. Das verlangt nach Lobbyarbeit in der eigenen Organisation“, betont Hayes.

Also Kontakte zu Einkauf, Marketing, Vertrieb, Logistik und anderen Abteilungen. So dürfen Einkäufe nicht am CIO vorbeigehen, wie es Axel Oppermann beschrieben hat. Der CIO müsse sich hier als unverzichtbarer Tech-Experte verankern. Auch da wächst der Konkurrenzdruck, erklärt Hayes.

„Es gibt immer mehr CDOs mit eigenem IT-Budget. Das führt intern zu Konflikten.“

Um zukunftsfähig zu sein, müssen CIOs sich neu erfinden.

„Deutschland braucht neue CIOs. Im Vergleich zu den vergangen fünf bis zehn Jahren werden in Unternehmen andere Fähigkeiten nachgefragt“, sagt Hayes.

Technologische Kenntnisse sind die Basis. Dazu kommen neue Themen wie Data Science, Big Data, Open Source, Forschung und Entwicklung, digitale Expertise, Plattform-Strategien.

„Große Unternehmen legen eine digitale Strategie fest. Das allererste was sie machen: Sie tauschen die CIOs aus“, weiß Hayes.

Viele etablierte IT-Führungskräfte können mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten.

Wir werden uns die Wechselmeldungen genauer anschauen.

Die Debatte um die künftige Rolle der CIOs wird fortgesetzt. Interesse an Interviews? Dann direkt bei mir melden: gunnareriksohn@gmail.com oder anrufen: 0177 – 620 44 74.

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