Wenn Informatik im Lifestyle-Journalismus verdunstet #CIODebatte @vbanholzer

Um den Technik-Journalismus ist es nicht gut bestellt. Das schilderte Professor Volker Banholzer im Bonner Sommerinterview.

Bonner #Sommerinterview mit Professor Volker Banholzer. Thema: Gestaltungsdiskurs zu Industrie 4.0, fehlende Debatte zu Society 4.0 und die Rolle von Fach- und Publikumsmedien – diskutiert mit 🙂

Posted by Gunnar Sohn on Montag, 7. August 2017

Seine Analyse bestätigt Stefan Betschon in einem lesenswerten NZZ-Beitrag. Er geht der Frage nach, ob Online-Formate den Niedergang der gedruckten Fachmedien kompensieren können.

„In den schier unendlichen Weiten des Internets herrscht an Informationen zu Technik-Themen kein Mangel. Viele dieser News-Outlets werden von Fans für Fans produziert, sie sind zwar nicht immer professionell, aber doch meist liebevoll gemacht. In den kommerziell orientierten Online-Medien wird die Berichterstattung durch junge Freelancer geprägt, die pro Meldung bezahlt werden. Es ist klar, dass unter diesen Umständen eine auswählende, gewichtende, kritische Berichterstattung nicht möglich ist. Es gilt das Prinzip: möglichst schnell, möglichst viel“, schreibt Betschon.

Technik werde dargestellt als Lifestyle-Happening, als Science-Fiction-Spekulation oder als Kuriositätenkabinett.

„Die Meldungen werden rasch kopiert und verbreiten sich von News-Outlet zu News-Outlet in Windeseile und unzähligen Varianten rund um die Welt“, so der NZZ-Autor.

Computertechnik könne sicherlich auch ohne Computerjournalismus gedeihen. „Und Computerjournalisten, die in der Lage sind, komplexe technische Systeme zu durchschauen und leicht fasslich zu beschreiben, sind auf den Journalismus nicht angewiesen, sie werden dann nicht mehr für Medienhäuser arbeiten, sondern für Beratungsunternehmen, die ihre Berichte teuer zu verkaufen wissen“, führt Betschon aus.

Wünschenswert ist eine solche Entwicklung ganz und gar nicht. Sollte man die Technik den Technikern überlassen? Mitnichten.

„Wer eine Technik will, die möglichst vielen Menschen nützlich ist, sollte auch möglichst viele Menschen an der Weiterentwicklung dieser Technik beteiligen. Um das Gespräch zwischen den Usern und den Technik-Experten im Fluss zu halten, braucht es Technikjournalisten. Technikjournalismus soll Lust machen, die Gehäusedeckel aufzuschrauben, Technik respektlos zu zerlegen, infrage zu stellen. Er soll Mut machen, Alternativen sich vorzustellen, Verbesserungswünsche vorzubringen, andere Zukünfte sich zu erträumen“, resümiert Betschon.

Das fällt allerdings nicht vom Himmel, so die Reaktion von Banholzer, der an der FH Nürnberg Technikjournalismus unterrichtet.

„Technik muss auch in Publikumsmedien fundiert und vor allem auch mit den technischen Aspekten journalistisch bearbeitet werden. Wichtig ist eine fundierte Ausbildung.“

Nur so bekommt man Tiefgang.

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