„Digitale Ökosysteme“ werden dem CIO von Gartner und vom IBM Institute Business Value (IBV) als wichtiger Komponente der digitalen Transformation und der Wettbewerbsfähigkeit positioniert. Die Unternehmen, die aktiv an digitalen Ökosystemen partizipieren, sind demzufolge erfolgreicher. Gartner definiert solche digitalen Ökosysteme als eine unabhängige Gruppe von Akteuren (Unternehmen, Personen, Dinge), die eine standardisierte digitale Plattform teilen, um daraus Mehrwert für ihr Geschäft zu generieren.

In der Studie des IBM IBV von 2017 In or out? Succeeding in the ecosystem economy gaben 58 Prozent der in Europa befragten Organisationen an, dass solche Ökosystem der Kerngeschäft oder die Hauptaktivitäten ihres jeweiligen Unternehmens ändern werden. Als Beispiel wird der Handel aufgeführt, in dem sich sowohl im stationären wie auch Online-Handel die Lieferkette ebenso schnell verändert hat wie die Kundenbeziehung. Individualisierung verändert beispielsweise den Handel durchaus dramatisch. Das klassische Kundenparadigma kann sich von passiven Konsum hin zu aktiver Beteiligung im Sinne von Co-Design, neuen Laden- und Eigentumskonzepten entwickeln.

 

Der Wandel in der Automobilindustrie ist ebenso augenfällig und unaufhaltsam – losgelöst von den aktuellen Ereignissen rund um den Dieselskandal. Im Zeitalter nahezu grenzenloser Mobilität ändert sich die Beziehung zum Auto. Viele Kunden wollen kein Auto mehr besitzen. Stattdessen denken sie über andere Mobilitätskonzepte nach, was die Geschäftsmodelle traditioneller Automobilhersteller ebenso auf den Kopf stellt wie auch das Leihwagengeschäft oder klassische Taxibetriebe in Frage stellt. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die aktuellen Skandale in der deutschen Automobilindustrie solche Trends noch beschleunigen werden.

 

Und auch in der Finanzbranche entstehen neue Ökosysteme. Immer weniger Filialen vor Ort sind sicher vor allem ein Ergebnis des Online Bankings. Doch das ist wohl nur der Anfang in einer Finanzbrache, in der disversifiziertere Ökosysteme von Banken und Finanzdienstleistern entstehen. Klassische Banken könnten mehr Dienstleister und Makler für ihre Kunden werden, um Kunden die besten Dienstleistungen und Produkte zur Verfügung zu stellen, von welcher Bank, welchem FinTech-Unternehmen oder welchem Partnerunternehmen diese auch kommen mögen. Und hier wirft die Blockchain-Technologie mit allen Peer-To-Peer-Funktionen bereits ihre Schatten voraus.

 

Der Shift zu solchen neuen Geschäftsmodellen und digitalen Ökosystemen ist gleichzeitig Chance und Herausforderung für den CIO. Viele Unternehmen werden sich von der klassischen linearen Wertschöpfung zu einem multidimensionalen Netzwerk bewegen müssen, in denen wesentlich schneller und dynamischer agiert wird.

 

Gartner_CIO_Agenda_2017_pdf

Quelle und Copyright: Gartner

 

Ein solcher Wandel fordert – so Gartner – den CIO und die IT Abteilung vor allem in drei Bereichen: Technologien, Organisation und Führung. Gartner rät dem CIO, auf dem Weg zu einem Ökosystem Interoperabilität in den Vordergrund der IT-Bemühungen zu stellen, um den Datenaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Partnern und Systemen zu gewährleisten. Derzeit stehen laut Gartner-Umfrage Investitionen in Business Intelligence/Analytics und Cloud bei den top performenden Unternehmen im Vordergrund, um erfolgreich zu sein.

 

Die Teilnahme an einem Ökosystem hat, so Gartner, tiefgehende Implikationen für den CIO und die Analysten empfehlen, dass man 2017 nutzen soll, um die Bereitschaft für digitale Ökosysteme zu prüfen und vorzubereiten. Aber natürlich müssen Unternehmen erst einmal den Sprung wagen und investieren. Ein Ergebnis der IBM Umfrage ist es, dass Unternehmen in der Startphase zum digitalen Ökosystem erst einmal  im Verhältnis Investitionen und Einnahmen einen negativen Einfluss von 1,9 Prozent vermelden könnten. Nichtsdestotrotz ist das Vertrauen bei den Befragten groß, dass der Wandel einen positiven finanziellen Einfluss haben wird. Laut Umfrage gehen führende Unternehmen davon aus, eine Umsatzsteigerung von 10 Prozent zu erreichen.

 

Laut IBM-Studie erzielen Unternehmen durch Ökosysteme  vor allem in 3 Bereichen eine höhere Wertschöpfung: Zuerst zählt der strategische Einfluss des Engagements für das jeweilige Geschäft. Ökosysteme helfen Unternehmen auf kritische Fähigkeiten zuzugreifen, die sie sonst nicht oder nur sehr imZugriff hätten. Und durch die Ökosysteme entstehen Wachstumspfade und -möglichkeiten, beispielsweise in neuen Märkten, Geographien oder Segmenten. Oder aber es entsteht ein neues Produkt, das Fähigkeiten und Assets von Organisationen in bisher nicht gekannter, unerwarteter Weise kombiniert.

 

Digitale Technologien und künstliche Intelligenz spielen bei der „digitalen Neuerfindung“ – mir liegt fast das Wort „digitale Neugeburt“ auf der Tastatur – nach IBM Studie eine essentielle Rolle. Mit Hilfe digitaler Intelligenz werden Muster erkannt, Hypothesen erstellt und geprüft und immer weiter entwickelt. Digitale Technologien werden funktional und in Prozessen in einer immer währenden Evolution angewandt, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Die Digital Reinvention™ steht nicht still, ist ein fortwährender Prozess. Das IBM IBV empfiehlt die unten in der Infografik dargestellten fünf Schritte, um das Engagement in Ökosystemen zu beschleunigen.

Es ist sicher keine leichte Aufgabe, neue Ökosysteme zu denken, zu entwerfen und zu realisieren. Doch die oben beschriebenen Fälle in Handel, Automobilindustrie und Finanzdienstleister zeigen, dass der Wandel in vielen Branchen nicht aufzuhalten sein wird und es deshalb angeraten ist, sich auch bezüglich neuer Ökosysteme im Rahmen der digitalen Transformation Gedanken zu machen.

In or out INFOGRAPHIC v2.jpg

Links zu den White Papers und Infografiken:

  • Gartner Insights From the 2017 CIO Agenda Report: Seize the Digital Ecosystem Opportunity
  • IBM Institute for Business Value: In or out? Succeeding in the ecosystem economy

(Stefan Pfeiffer)

Posted by Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

Kommentar verfassen