CIO als Chefstratege im Unternehmen? #CIODebatte

Die Verwalter der Daten, wie das früher einmal war, oder die Herren der Systeme, sind nach Erfahrungen von Professor Lutz Becker schon lange nicht mehr Stand der Dinge. So kommentiert der Studiendekan der Kölner Hochschule Fresenius den Status der CIOs in Unternehmen. Man brauche Chefstrategen, die Veränderung bewirken.

„Wir stecken in einer Phase der Industrialisierung der IT, beispielsweise über Dienstleister, die alles in der Cloud anbieten. Das ist wie Strom aus der Steckdose.“

Nachholbedarf sieht Becker bei den internen Prozessen. Da würden zwei Welten aufeinanderprallen. Das sei auch ein Generationsproblem.

„Auf der einen Seite die Herren der Verfahren, die mit Argusaugen darauf achten, dass niemand an ihre Verfahren herangeht. Und auf der anderen Seite stehen die jungen Wilden, also die agile Fraktion, die gerade mit Fintechs tradierte Firmen aufmischen. Wenn wir darüber nachdenken, dass die Digitalisierung durch das ganze Unternehmen gehen solle, welche Rolle hat denn da noch der CIO“, fragt Becker im CIO-Kurator-Interview. „Unternehmen brauchen auch in der Informationstechnologie Führungskräfte, die den Mitarbeitern helfen, die Wirklichkeit neu zu entdecken. Leider denken viele IT-Fachleute in Verfahren, in Prozessen und Formularen“, kritisiert Becker.

CIO noch Herr der Daten und Systeme?

Brauchen Unternehmen überhaupt noch CIOs? Professor Lutz Becker über die Rolle von IT-Führungskräften

Posted by CIO Kurator on Mittwoch, 2. August 2017

Man sollte die Fantasie der Anwender und der Stakeholder wecken, was überhaupt mit der Digitalisierung bewerkstelligt werden kann. Da gibt es in der Tat keine Einheitslösungen. Deswegen sieht Becker den CIO langfristig in der Rolle als Educator.

„Ich habe schon 1993 den Begriff des integralen Informationsmanagements geprägt. Es war damals noch reine Utopie. Die Grenzen der Unternehmung verschwinden und die IT ist eigentlich etwas, was beim Sourcing anfängt und beim Kunden aufhört. Danach geht der Weg wieder zurück. Es ist die Idee des Unternehmens in offenen Systemen. Dadurch verändert sich sehr viel“, erläutert Becker.

Der gesamte Kontext sei relevant. Es gehe heute mehr um Kommunikation, um Austauschprozesse und nicht mehr darum, ein Verfahren ins Laufen zu bringen. Die Schwächen bei der Digitalisierung, die eben mehr ist als die IT, liegen wohl auch in einem veralteten Rollenverständnis der IT. Der CIO sollte sich als Cheftechnologe oder als kreativer Unternehmer im Unternehmen in Szene setzen. Aber kann er das?

„Ich habe vor ein paar Jahren in einem Harvard Business Manager-Beitrag vorgeschlagen, in Unternehmen die strategische Triade einzuführen“, sagt Becker.

Ein Modell aus Chief Strategy Officer, Business Development Management und Project Management Office.

„Viele Unternehmen fangen an, darüber nachzudenken, auf C-Level über eine Führungskraft zu verfügen, die sich um die Veränderung kümmert – also einen CSO. Es geht um Entwicklung, um neue Geschäftsfelder und um Digitalisierung. Macht da die Rolle eines CIO überhaupt Sinn oder sollte man einen Chef-Strategen installieren?“

Informatik-Sachverstand könne hier allerdings nicht schaden. Auf jeden Fall braucht man einen Chefstrategen mit interdisziplinärer Kompetenz. Also die Digitalisierung strategisch denken. „An der Hochschule Fresenius haben wir einen Master Digital Management, der das abdeckt“, so Becker. Ob man dann CIO, CDO oder CSO heißt, sei letztlich egal. Man müsse eine Position oberhalb der IT einnehmen.

Solche Kandidaten seien am Arbeitsmarkt verfügbar. Viele von ihnen werden allerdings von Prozessen und Formularen müde gefahren. Entweder werde man von der alten Firmenkultur assimiliert oder es findet eine Abstoßung statt.

„Kulturen haben ein extremes Beharrungsvermögen. Selbst bei Unternehmen, die agile Methoden eingeführt haben, schwingt das Pendel häufig wieder zurück“, resümiert Becker.

Dennoch sollten Unternehmen darauf bedacht sein, Menschen zu rekrutieren, die andere Perspektiven wahrnehmen.

Siehe auch:

Der Chief Digital Officer als Konkurrent

IT ist zu technologisch gedacht, Informationsmanagement zu ökonomisch #CIOKuratorLesung

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