Duz-Kultur, Labs und Silicon Valley-Zoobesuche beflügeln keine Innovationen #CIODebatte

In einer sehr lesenswerten Serie hat sich Jochen Siegert mit den sieben Todsünden der Digitalisierung beschäftigt. Im Beitrag über verkrampfte Innovations-Initiativen fragt zu recht, ob es reicht, sich im Unternehmen plötzlich zu duzen, die Krawatte auszuziehen, im Silicon Valley oder in der Berliner StartUp Szene sich zu informieren und dann ein Innovationslabor einzurichten.

Bei der Schwemme von Innolabs, Acceleratoren oder Corporate Inkubatoren, die er zur Zeit in der Finanzbranche erlebt, würde ein Blick in andere Wirtschaftssektoren helfen. Im eCommerce seien diese Aktivitäten oftmals krachend gescheitert.

„Ich kenne keine erfolgreiche Corporate-Initiative, aus der jemals ein StartUp mit globaler Relevanz hervorgegangen ist oder einen Großkonzern, der sich damit auf externe Trends anpassen konnte“, so Siegert.

Sein Gefühl trügt wohl nicht, wie eine Studie im Auftrag der Zeitschrift Capital belegt:

„Digi-Labs, Innovation-Hubs, Digitalfabriken oder wie immer die deutschen Unternehmen ihre Ableger nennen, sind in den vergangenen Jahren ein fester Teil der deutschen Firmenlandschaft geworden. Ob Daimler, Lufthansa, Thyssenkrupp oder Deutsche Bank – jeder, der zeigen will, dass er die Zukunft anpackt, hat inzwischen ein Labor gegründet. Rund 100 sind es mittlerweile und noch deutlich mehr, wenn man zugekaufte Startups oder IT-Ausgründungen miteinbezieht. Tendenz steigend“, schreibt Capital.

Das Monatsmagazin hat mit der Hamburger Managementberatung Infront Consulting über Monate Dutzende von Laboren besucht. Bislang sind die Ergebnisse ernüchternd: Wirklich Geld habe noch niemand verdient, auch die nicht, die schon länger dabei sind.

„Es fällt auf, dass bisher betriebswirtschaftlich eigentlich fast nichts erreicht wurde“, zitiert Capital Julian Kawohl, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Kein Unternehmen hat durch sein Lab signifikantes Neugeschäft aufgebaut.“

Was fehlt, sei die Bereitschaft der Konzerne, wirklich im großen Stil Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Noch stünden die Labs unter Welpenschutz, heißt es in der Studie.

Noch sei die Begeisterung bei den CEOs hoch. Noch werden die Units von dem verführerischen Parfüm des Neuen umgeben.

„Das aber könnte sich ändern, wenn die Controller kommen und Nachweise für wirtschaftlichen Erfolg verlangen“, schreibt Capital

Siegert ist auch skeptisch: Die Schwemme von Corporate Hackatons seien maximal Marketing und Massnahmen zur Personalentwicklung.

„Leider verpuffen die Wirkungen dann sofort wieder im Tagesgeschäft.“

Digitalisierung bedeutet: Es müsse sich die DNA der Organisation vom Produkt, Prozessen bis Vertrieb und Marketing ändern und eine Outside-In statt Inside-Out Unternehmenskultur etabliert werden.

Wie seht Ihr das? Wie sehen das die CIOs und CDOs?

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