Gestaltungsdiskurs statt Silicon Valley-Phrasen – Empfehlungen für die Innovationskommunikation

Die deutschen Diskussionen über Themen wie Industrie 4.0 sind nach Ansicht von Professor Volker Banholzer (TH Nürnberg) zu eng und lassen damit die Chancen und Herausforderungen für neue Geschäftsmodelle, für zusätzlichen Kundennutzen, für die Plattformökonomie außen vor.

„In den Begriff werden unterschiedlichste und auch überzogene Vorstellungen und Wünsche projiziert. So verpufft der innovative Impuls für den Wirtschaftsstandort oder besser der innovative Imperativ der Digitalisierung wird überdeckt und das ‚Industrie 4.0-Ready‘ verschleiert das erforderliche ‚Go‘. Das muss sich ändern. Durch Kommunikation und Pioniergeist. Nur in einer Öffnung der Diskussion, weg von der Fokussierung auf die Industrieproduktion hin zu den gesellschaftlichen Herausforderungen durch Digitalisierung können neue Perspektiven entstehen“, so Banholzer.

Es müsse ein Gestaltungsdiskurs geführt werden, wie die Potentiale der Digitalisierung genutzt werden können.

„Dieser Gestaltungsdiskurs ist auch die Basis, auftretende Fragen rund um Nutzungsrechte für Daten, Patentrecht und Open Source, neue Finanzierungsmodelle von Innovationen oder neue Arbeitsmodelle und Beschäftigung bewerten zu können. Zwar wird in den Runden um Industrie 4.0 stets die Rolle der Mitarbeiter betont aber wenig konkretisiert und die Bedeutung für eine auf Arbeitsethos gründende Gesellschaft wenig diskutiert. Zwar stehen Prognosen im Raum, die neue Finanzierungsmodelle für Start-ups fordern aber eine gemeinsame Finanzierung eines Projektes durch zwei Geschäftsbanken bei unsicherer Rechtelage von Open-Source-Entwicklungen sind absolutes Neuland. Die Rolle des Staates und seiner Technologie- und Wirtschaftspolitik jenseits einer Plattform Industrie 4.0 muss ausgerichtet werden, angesichts eines globalen Wettbewerbs der Standorte. Potentiale und Aufgaben genug. Also: Wichtig sind Pionierprojekte, die Dinge versuchen und die dann diskutiert werden. Nur in einem breiten Diskurs werden solche Innovationen bekannt, entstehen wiederum Impulse für neue Lösungen und entsteht die Basis für neue Märkte. Und nur so bekommen können die gesellschaftlichen Gestaltungsaufgaben wahrgenommen werden“, fordert Banholzer.

It’s Communication. Stupid! Etwas abgewandelt: Open Communication.

Das gilt auch für jene Protagonisten, die auf Vortragsbühnen der Unternehmerschaft in schöner Regelmäßigkeit coole Beispiele aus dem Silicon Valley auftischen – aus der Privatkunden-Welt – aber kläglich versagen, auf unterschiedliche Wirtschaftsbranchen einzugehen oder gar die Bedarfslage von großen Firmen oder klein- und mittelständischen Betrieben zu berücksichtigen.

Dampfplauderer adé – Innovationskommunikation muss sich ändern #Sommerinterview mit Volker Banholzer

Posted by Gunnar Sohn on Dienstag, 8. August 2017

Man kommuniziert an der Klientel vorbei, kritisiert Banholzer im #Sommerinterview in Bonn-Duisdorf.

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