Die Frage, ob und wieviele Jobs durch Systeme und Lösungen der künstlichen Intelligenz (oft als KI oder AI abgekürzt) wegfallen, wird viel und kontrovers diskutiert. Forrester’s J.P. Gownder hat in seinem m viel gelesenen (leider kostenpflichtigen) Paper “Automation technologies, Robotics, and AI in the Workplace, Q2 2017” Dutzenden „Automatisierungstechnologien, die alle auf künstlicher Intelligenz nutzen, untersucht und deren Einfluss auf den Arbeitsmarkt bewertet. Machen sie Jobs überflüssig?  Das Ergebnis (typischerweise bezogen auf die USA, aber übertragbar): Besagte Automatisierung wird 17 % der Jobs in den USA bis 2027 kosten.

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Untersuchungen, die schwarz-weiss malen. haben Gownder und Kollegen aber auch betrachtet, ob und wie Lösungen der künstlichen Intelligenz bestehende Berufsbilder ergänzen oder gar neue Stellen schaffen. Das Ergebnis: 10 % neue Jobs werden in der US-Ökonomie geschaffen, so dass Forrester einen Nettoverlust von 7 % der Stellen bis 2027 prognostiziert.

Auf Forbes wurde die folgende Grafik abgebildet, die den potentiellen Erfolg verschiedener Technologien bewertet:

 

Und Gil Press, Forbes-Kolumnist, hat 6 AI-Technologien ausgewählt, die den größten Einfluss auf den Stellenmarkt in der nahen Zukunft haben werden. Der berühmte Customer Self-Service, die Möglichkeiten der Selbstbedienung der Kunden, werden sich weiter entwickeln. AI-unterstützte Prozessautomatisierung mit Robotern – sogenannte Robotic Process Automation (RPA) Plattformen – werden wohl ein rasantes Wachstum hinlegen und immer mehr Bots nutzen. Mein Arbeitgeber IBM hat ja hier auch gerade eine Partnerschaft mit Automation Anywhere geschlossen.

Roboter werden zudem in Industrie, in Landwirtschaft, Maschinenbau und ähnlichen Branchen deutlich an Bedeutung gewinnen, nicht nur Menschen ersetzen, sondern auch als sogenannte Collaborative Robots (Cobots) eingesetzt werden. Und natürlich werden Roboter in Handel, Logistik und Warenlagern an Bedeutung gewinnen.

Sensorische künstliche Intelligenz ist im Vergleich zu den ersten vier Feldern ein neues Anwendungsgebiet. Hier geht es darum, menschliche Reaktionen zu identifizieren und zu verstehen. Themen wie Gesichtserkennung inklusive des Erkennens von Emotionen gehören ebenso dazu wie Sprach-, Text- und die hier schon öfters erwähnte Tonanalyse. Schließlich dürfen natürlich die hier oft behandelten virtuellen Assistenten nicht fehlen, die uns künftig hoffentlich viele nervende Routinetätigkeiten abnehmen werden.

Sehr gut gefällt mir, dass Gil Press vor den klassischen dogmatischen Aussagen warnt. AI wird einerseits nicht die Zivilisation nicht zerstören, andererseits auch nicht der Heilsbringer für alle Missstände sein. Wie hier schon geschrieben, sollte man unter die Haube gucken. Nicht überall, wo künstliche Intelligenz drauf geschrieben wird, ist KI drinnen. Und es muss jeweils bewertet werden, was denn eine Lösung bringt oder kostet.

Und Gil hält auch ein Plädoyer für den menschlichen Geist und menschliche Kreativität:

I’m sure we will have smart machines that could perform special tasks, augmenting our capabilities and improving our lives. That many jobs will be taken over by algorithms and robots, and many others will be created because of them, as we have seen over the last half-century. And that bad people will use these intelligent machines to harm other people and that we will make many mistakes relying too much on them and not thinking about all the consequences of what we are developing.
But intelligent machines will not have a mind of their own. Intelligent machines will not have our imagination, our creativity, our unique human culture. Intelligent machines will not take over because they will never be human.

via Breaking News: Humans Will Forever Triumph Over The Machines

(Stefan Pfeiffer)

Posted by Stefan Pfeiffer

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Als gelernter Journalist hat er natürlich eine Leidenschaft für das Schreiben, die er hier im CIO Kurator, aber auch in seinem persönlichen Blog DigitalNaiv auslebt. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem digitalen Arbeitsplatz, dem Digital Workplace. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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