Brauchen Unternehmen neue CIOs? Start einer Disputation #CIOKurator

CIOs erfüllen nach Auffassung von Christoph Stoica heutzutage eine Doppelrolle: Sie müssen ihren früheren Aufgaben nachkommen und dafür sorgen, dass IT-Systeme leistungsfähig, zuverlässig und sicher bleiben, damit alle Prozesse reibungsfrei funktionieren. Zudem sehen sie sich dem Druck ausgesetzt, Innovationen voranzutreiben und Entscheidungen zu treffen, die das Unternehmenswachstum beschleunigen.

„Hierbei können sie nicht auf unbegrenzte Ressourcen zurückgreifen, sondern müssen intelligent haushalten. Kostenvorgaben und Innovationsprojekte miteinander in Einklang zu bringen, ist daher die große Herausforderung, der sich CIOs gegenübersehen.“

Um richtungsweisende Entscheidungen treffen zu können, benötigt der CIO ein genaueres Verständnis des Kerngeschäfts.

„Immer öfter ist er nicht nur IT-, sondern auch Business-Manager. Seine neue Bedeutung im Unternehmen jedenfalls ist kaum zu überschätzen: Ob er seine Sache gut macht oder nicht, entscheidet maßgeblich über den wirtschaftlichen Erfolg“, schreibt Stoica.

Aber ist das heute so? Siehe auch den Beitrag: Die IT-Party wird vom Finanzvorstand bezahlt – Welchen Spielraum haben CIOs?

Wir diskutieren über die Relevanz der CIOs nun schon seit zehn bis 15 Jahren. Damals formulierte ich das so: „Wie das fünfte Rad am Wagen – IT-Abteilungen fristen oft ein Schattendasein.“

Laut einer IBM-Studie gaben damals 84 Prozent von über 170 befragten IT-Leitern zu Protokoll, dass die IT entscheidende Bedeutung auf Änderungen der Unternehmensstrategie habe. Lediglich 16 Prozent erkenne allerdings im eigenen Unternehmen, dass dieses Potenzial ausgeschöpft wird. IT-Chefs und ihre Abteilungen, so die Studie, fristen ein Exoten-Dasein. Das Gegenteil müsse aber der Fall sein: Unternehmens- und IT-Strategie, Management und IT-Abteilung sollten abgestimmt sein und sich an gemeinsamen Zielen orientieren. Tenor von Experten: Unternehmenslenker müssen lernen, wie sich die IT für den Geschäftserfolg besser einsetzen lässt und von den IT-Verantwortlichen kann man verlangen, sich stärker mit den Anforderungen des Marktes zu beschäftigen. Hier liegt eine große Chance für beide Seiten. Zudem gehört die IT-Abteilung zu den wenigen Stellen im Unternehmen, die einen Blick auf die gesamten Prozessketten ermöglichen. Ansonsten landen IT-Leiter irgendwann im Abseits, resümierte vor rund zehn Jahren eine Expertenrunde der mittlerweile nicht mehr vorhandenen Computer Zeitung.

„Wenn CIOs die nötigen Voraussetzungen erfüllen und zudem die Sprache der Vorstände sprechen, werden sie nicht als Techniker belächelt, sondern ebenso ernst genommen wie der Finanz- oder Vertriebsvorstand.“

Damit die IT einen echten Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg liefern kann, müsse die IT noch wesentlich stärker Verständnis für die Anforderungen aus den Kernbereichen des Unternehmens entwickeln, forderte Holger Röder in einem Beitrag für das Fachmagazin IT Director.

„Know-How bezüglich Produkten, Kundenstruktur und Vertriebskanälen sind genauso unerlässlich wie die detaillierte Kenntnis von mittel- und langfristigen geplanten Veränderungen der Geschäftsprozesse sowie Trends auf den Zielmärkten der Geschäftsbereiche“, so Röder. Die IT solle die Fachabteilungen eines Unternehmens „proaktiv bei der Einführung neuer Technologien beraten und gemeinsam Business Cases erstellen, die den Wertbeitrag neuer Technologien für das Geschäft greifbar und nachprüfbar machen.“

Soweit der Ausflug in die Vergangenheit. Was davon ist denn nun Wirklichkeit? Packt man neue Anforderungen hinzu, die sich aus der Erfahrungswelt der sozialen Netze speisen, aus Open Source-Projekten, Co-Kreation, freie Entwickler, Cloud-Belegschaften, dezentrale Szenarien, Data Science, Big Data-Analysen, maschinelles Lernen, Data Mining oder Computer Vision, merkt man sehr schnell, dass CIOs interdisziplinäre Fähigkeiten mitbringen müssen. „Unternehmen brauchen neue CIOs“, proklamiert daher Johannes Wiele in einem Fachbeitrag für den Sammelband „Führungsmanagement“, erschienen im Symposion-Verlag:

„Externe Berater für Unternehmensanwendungen, Kommunikation und Sicherheit wissen in der Mehrzahl von CIOs zu berichten, die auf Trends lediglich reagieren und ihnen inzwischen geradezu nachlaufen. Ihre Anforderungen erhalten sie von den Fachabteilungen und dem Top-Management, die ihrerseits teils auf wirtschaftlichen, teils auf kulturellen Wandel reagieren oder die Veränderungen kreativ begleiten wollen, ohne dabei alle Implikationen für die Informationstechnik im Haus zu verstehen.“

Der rasante, meist vom Marketing getriebene Einstieg in die sozialen Netzwerke sei ein Paradebeispiel dafür, wie entkoppelt die CIOs und ihre IT-Abteilungen inzwischen von der realen Nutzung der IT-gestützten Kommunikationsmittel sind.

Wiele fordert daher eine andere Einstellungspraxis:

„Rein technisch ausgebildete IT-Fachleute können den Anforderungen nur genügen, wenn sie sich soziokulturell, medienwissenschaftlich und psychologisch weitergebildet haben. Quereinsteiger aus anderen Disziplinen als der Informatik verdienen Vertrauen, wenn sie sich ihrerseits technisches Wissen erarbeitet haben und mit Technikern zusammenarbeiten können.“

Starker Tobak. Braucht das Land neue CIOs? Das ruft nach einer Disputation. Mit CIOs, externen Beratern, Systemintegratoren, Ausbildern und Vertretern der Wissenschaft. Ich werde mich in den nächsten Wochen bemühen, in Skype-Interviews das Thema zu vertiefen.

Wer Interesse an einer Beteiligung hat, möge sich bei mir melden. Entweder hier in der Kommentarfunktion. Oder per Mail: gunnareriksohn@gmail.com. Oder telefonisch: 0177 620 44 74.

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