Was hinter der Geschichte von WhatsApp und der IBM Cloud steckt

Vor ein paar Tagen berichteten US-Medien darüber, dass Facebook plane, WhatsApp komplett auf die eigenen Rechenzentren umzuziehen und damit die Zusammenarbeit mit IBM, auf deren Servern WhatsApp bislang gehostet wurde, zu beenden. Auf den ersten Blick liest sich das so, als ob IBM dadurch einen sehr großen Kunden verliere und dies überaus negativ für das eigene Cloud-Geschäft sei.

Die Wahrheit ist jedoch etwas komplexer und auch der News-Charakter dieser Meldung ist relativ, wie jetzt das Wallstreet Journal in seiner deutschen Online-Ausgabe berichtet. Die Journalisten greifen dabei einen Artikel aus den USA auf, in dem ausführlich über die Hintergründe dieser Geschichte berichtet wird:

Diese Entwicklung scheint eine große Sache zu sein und sie könnte die Bemühungen von IBM unterwandern, sich selbst als eine der großen Cloud-Plattformen zu positionieren. Es gibt aber zwei Gründe, warum das wirklich nicht der Fall ist.

Facebook betreibt seine eigenen riesigen Datenzentren. Der gleichnamige Dienst läuft von Anfang an auf den eigenen Servern und jede Übernahme wurde auf diese Server übertragen.

Laut den Quellen von CNBC war Facebook schon mal an einem Punkt angelangt, an dem das Unternehmen jeden Monat zwei Millionen US-Dollar an IBM zahlte. Wenn wir annehmen, dass diese Zahl korrekt ist, dann wäre es verkraftbar, WhatsApp als Kunde zu verlieren. Das Cloud-Geschäft von IBM generierte in den letzten 12 Monaten 14,6 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Bereiche Cloud als Dienstleistung, wozu auch Infrastruktur, Plattform und Software gehören, sollte dieses Jahr 8,6 Milliarden US-Dollar Umsatz machen.

Nur logisch also, dass Facebook irgendwann auch WhatsApp in den eigenen Rechenzentren betreiben will und finanziell ein erträglicher Verlust für IBM. Immerhin erfährt nun sogar eine breitere IT-interessierte Öffentlichkeit, dass WhatsApp von Anfang an IBM als Public Cloud-Plattform genutzt hat und dies auch während des rasanten globalen Wachstums des Dienstes tat.

Das Wallstreet Journal geht  auch noch auf die Frage der relevanten Geschäftsfelder im Cloud-Bereich ein. Die Public Cloud wie im Falle von WhatsApp spielt dabei für ein Unternehmen wie IBM nicht die dominante Rolle. Wichtiger ist die so genannte Hybrid Cloud, also eine hybride Datenarchitektur, in der Unternehmen einerseits Daten in der privaten Cloud oder auf ihren eigenen Servern lagern und in der sie andererseits von der hohen Verfügbarkeit, Performanz und Skalierbarkeit der Cloud profitieren können.

Das Cloud-Geschäft von IBM geht weit über die Infrastruktur hinaus. Das Unternehmen konzentriert sich sehr auf die hybride Cloud und das aus gutem Grund. Das Forschungsunternehmen Gartner erwartet, dass 90 % aller Organisationen bis zum Jahr 2020 eine hybride Infrastruktur haben werden. Eine große Wachstumsmöglichkeit für IBM besteht darin, dass große Unternehmen eine hybride Cloud benutzen werden, wenn sie immer mehr Arbeit in die Cloud verlagern. Die bestehenden Kunden von IBM sollten dem Unternehmen hierbei einen wichtigen Vorteil verschaffen.

Zur Bedeutung der Hybrid Cloud für Unternehmen nennt das Wallstreet Journal Untersuchungen von Analysten:

Das Forschungsunternehmen Gartner erwartet, dass 90 % aller Organisationen bis zum Jahr 2020 eine hybride Infrastruktur haben werden. Eine große Wachstumsmöglichkeit für IBM besteht darin, dass große Unternehmen eine hybride Cloud benutzen werden, wenn sie immer mehr Arbeit in die Cloud verlagern.

Insofern passt das Shakespeare-Zitat aus dem Titel also in der Tat: Viel Lärm um nichts.

(Lars Basche)

Ein Kommentar

  • Hat dies auf Ich sag mal rebloggt und kommentierte:

    Entscheidung von FB ist nachvollziehbar: Facebook betreibt seine eigenen riesigen Datenzentren. WhatsApp läuft von Anfang an auf den eigenen Servern und jede Übernahme wurde auf diese Server übertragen.

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