Wird Box Documentum und Microsoft SharePoint ersetzen? Oder braucht es mehr?

Der Markt für DMS, Dokumentenverwaltung, Enterprise Content Management, File Sharing -man kann sich den Namen aussuchen – ist in Bewegung. Jenseits der allzu beliebten Diskussion, wie das oder welches Kind denn nun heissen soll, gibt es seit geraumer Zeit Anbieter, die den traditionellen Mark aufmischen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dazu in Kürze hier mehr.

Dropbox ist ein  bekannter Name. Box ein anderer. Die Unternehmen kommen von unterschiedlichen Ausgangspositionen. Dropbox hat im Konsumentenmarkt begonnen. Box hat von Beginn an auf Unternehmen gesetzt. Box scheint auf einem guten Wege zu sein, so die Analyse von Venus Tamturk auf CMS-Connected, und greift traditionelle ECM-Systeme wie IBM, Documentum, OpenText und nicht zuletzt Microsoft Sharepoint an. Der Box CEO Aaron Levie gibt sich kämpferisch:

“We are seeing increasing momentum from customers looking to move to Box and retire the legacy content management solutions over time. For example, in North America, a large financial services institution selected Box as their cloud content management platform for all of their unstructured data. We will be replacing Documentum, migrating more than 10,000 SharePoint sites to Box and we will integrate with a variety of existing on-premises and cloud applications.”

via Will Box Replace OpenText Documentum and Microsoft SharePoint

Um weiter zu wachsen, muss Box seine Produkte weiterentwickeln und global expandieren:

There are two main objectives on the company’s agenda for the 2018 fiscal year that may address this question; product innovation and global expansion.

via Will Box Replace OpenText Documentum and Microsoft SharePoint

Dabei kann sicher die auf 10 Jahre – ja, man liest richtig – abgeschlossene Allianz mit IBM helfen, in deren Rahmen IBM die Produkte nicht nur in den Vertrieb aufgenommen hat, sondern man auch gemeinsame Produkte entwickelt. Und das obwohl IBM ja einer der klassischen ECM-Anbieter mit eigenen Produkten und dem zugekauften FileNet ECM-Portfolio ist.

Venus Tamturk bringt es auf den Punkt. Die traditionellen Anbieter haben ECM-Lösungen für die IT gemacht, Box hat sich auf den Endanwender fokussiert und seine Produkte Richtung Unternehmenstauglichkeit und Lösungsgeschäft weiterentwickelt und konnte einige prominente Kunden gewinnen:

In terms of product innovation, the vendor’s strong commitment to cloud and mobile was what helped Box thrive quickly in the first place. Box took a different approach than the legacy ECM providers like EMC, IBM, Oracle and OpenText by focusing more on end users while the large software vendors were making software for IT. With this approach in the core of the product strategy, Box has added new capabilities to its platform and gone beyond being a storage product to enterprise collaboration and content management platform so much so that today, high-profile enterprise customers have started switching to Box for their content management needs – Cisco, GE, Airbnb, and Uber to name a handful. Additionally, Facebook made Box available as a content management platform within its Workplace offering.

via Will Box Replace OpenText Documentum and Microsoft SharePoint

Venus Tamturk gibt einen positiven Ausblick, gerade auch durch neue Lösungen, mit denen regulatorische Anforderungen erfüllt werden. Man erinnere sich an den Erfolg von Documentum im Bereich Zulassung neuer Medikamente, Stichwort New Drug Application (NDA), in der Pharmaindustrie:

Given that the company saw year-to-year growth of 70 percent when it came from one of its new products, called Box Governance that simplifies the use of Box for enterprises that deal with complicated regulations, Box seems to stand a high chance to accomplish the goal of reaching to $1 billion revenue by 2021 through product innovation.

via Will Box Replace OpenText Documentum and Microsoft SharePoint

Box hat sicher einen sehr guten Start hingelegt und sich sukzessive weiter entwickelt. Die geschlossenen Partnerschaften – nicht nur mit IBM – sind clever eingetütet worden. Eine – wenn nicht die entscheidende – Frage wird sein, wie sich Box im breiteren Umfeld des Digital Workplace positioniert. Hier geht es dann um mehr als nur dokumentenorientierte Lösungen. Neue, stark ge-„hypte“ Lösungen zur Konversation wie Slack oder Microsoft Teams tummeln sich ebenso wie unterdessen schon fast traditionelle Lösungen für Enterprise oder Social Collaboration wie IBM Connections. Unternehmen wie Microsoft – in der engeren Konkurrenz mit Box durch OneDrive und Sharepoint – versuchen Monopole zu etablieren oder zu stärken und auch Google positioniert sich mit einem breiteren Portfolio. Box wird sich jenseits der eigenen Produktinnovation einen Platz und starke Alliierte suchen müssen, um im Digital Workplace relevant zu sein. Vielleicht sind dies IBM und Cisco, zu denen es ja wie oben beschrieben enge Beziehungen gibt.

(Stefan Pfeiffer)

[Zur korrekten Positionierung meines Kommentars: Ich habe zwischen 2000 und 2007 für den ECM-Anbieter FileNet gearbeitet und bin seit 2007 in der IBM, wo ich bis März 2017 das Marketing der ECM- und dann der Collaboration-Produkte verantwortet habe.]

 

 

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