FAZ am 10. Juni: Krebstherapie und IBM Watson – Nutzen deutlich machen, Daten anonymisieren

Gut, dass jetzt sogar die FAZ auf der Titelseite des Wirtschaftsteils im Kommentar das Thema Krebsvorsorge und Hilfe beziehungsweise Assistenz durch künstliche Intelligenz aufgreift. Dabei ist es völlig einerlei, dass in dem Artikel „die“ künstliche Intelligenz meines Arbeitgebers IBM referenziert. Es geht darum, dass ein so ernstes und im elementarsten Sinne lebenswichtiges Thema angesprochen wird:

Jeder Krebs ist anders. …

Die Suche nach der richtigen Behandlung kostet wertvolle Lebenszeit und auch viel Geld, und so verwundert es nicht, dass die Medizin viel Hoffnung auf einen derzeit großen Trend setzt: künstliche Intelligenz. Selbstlernende Maschinen wie der Supercomputer Watson von IBM sollen helfen, die Ergebnisse von Genanalysen von Patienten binnen kürzester Zeit mit Millionen anderen Patientenakten, möglichen Behandlungsformen und Forschungsaufsätzen abzugleichen und so eine möglichst genaue Diagnose mit entsprechendem Therapievorschlag zu stellen. Präzisionsmedizin lautet das Schlagwort.

über Künstliche Intelligenz soll Krebs diagnostizieren

Britta Beeger sprich ganz wichtige Aspekte an: Wir alle müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, die Risiken, die notwendigen Datenschutzmechanismen, aber auch die Chancen diskutieren und heraus arbeiten:

Ohne die Bereitschaft von Patienten, ihre Informationen – selbstverständlich anonymisiert – der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, kann die Präzisionsmedizin nicht funktionieren. Daher braucht es Sicherheiten und Datenschutzregeln. Wichtig ist aber noch etwas anderes: Den Menschen muss man den Nutzen dieser Methode deutlich machen, für sie selbst und für andere.

über Künstliche Intelligenz soll Krebs diagnostizieren

Und natürlich müssen die berühmten Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und da sieht es in Deutschland nicht so prickelnd aus:

Es ist entscheidend, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Daten der Patienten müssen digitalisiert und für Maschinen lesbar gemacht werden. Bisher hat oft jedes Krankenhaus sein eigenes System, ein Austausch findet nicht statt. Mancherorts herrscht noch Zettelwirtschaft – so wird es nichts mit dem Fortschritt. Wichtig ist auch, dass die Ärzte dafür gewonnen werden. Verschließen sie sich dem Umgang mit künstlicher Intelligenz, bringen auch die besten lernenden Systeme nichts.

über Künstliche Intelligenz soll Krebs diagnostizieren

Natürlich muss wieder die Angst genommen werden. Eine künstliche Intelligenz wie Watson übernimmt nicht selbständig die Behandlung. Das System assistiert den Ärzten bei der Behandlung, indem es große Mengen an Patientenakten und Forschungsergebnissen analysiert, Muster erkennt und aus diesen Mustern Vorschläge erarbeitet und den Ärzten unterbreitet. Die Ärzte verifizieren die Muster, nicken sie ab oder lehnen sie aus guten Gründen ab. Nicht Doktor Watson sondern der Arzt bleibt in der Verantwortung. Er hat „nur“ einen Assistenten bekommen, der für ihn Unmengen von Daten verarbeitet und analysiert, eine Aufgabe, die er als Arzt und Mensch zeitlich gar nicht bewältigen könnte.

Das Beispiel Onkologie ist nur eine Möglichkeit, künstlichen Intelligenzen wie Watson – unter strikter Einhaltung des Datenschutzes und der Anonymisierung – in der Medizin zum Wohl des Patienten einzusetzen. Die Möglichkeiten sind natürlich auch jenseits der Medizin riesig. Überall dort, wo große Mengen an Daten vorliegen, wo durch die Rechner daraus Muster erkannt werden können, die der Mensch so nicht einfach identifizieren kann, besteht die Möglichkeit, künstliche Intelligenzen wie IBM Watson einzusetzen. Dies reicht natürlich auch in vielfältige Einsatzgebiete in der Wirtschaft hinein.Und selbstverständlich gibt es auch fragwürdige Einsatzgebiete und Szenarien. Deshalb muss es auch eine ethische Verpflichtung und ein klares Verständnis rund um den Einsatz künstlicher Intelligenzen geben.

Der Beitrag in der FAZ ist ein guter Einstieg, das Thema in der breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren und zu diskutieren (auch wenn wieder der elende Begriff Supercomputer fällt). Wir brauchen diese sachliche Präsentation und kritische Auseinandersetzung, hier im Interesse des Patienten, generell in unser alle Interesse.

(Stefan Pfeiffer)

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