CIOs und das Management des Unvorhersehbaren

Projekte der Informationstechnologie wurden und werden vielfach sehr traditionell und hierarchisch organisiert, was weder Auftraggeber noch Lieferanten zufriedenstellt. Vor allem in den USA wollte eine Vielzahl von Programmierern anders arbeiten, um IT-Projekte zum Erfolg zu führen. So versammelten sich 17 Programmierer und Autoren vom 11. bis 13. Februar 2001 im Skiort Snowbird in Utah, um neue Weg zu beschreiten. Darunter Ward Cunningham, der 1994 das Wiki erfand, Kent Beck, einer der Begründer des Extreme Programming (XP), Alistair Cockburn, der die Crystal Methode erdachte, Mike Beedle, Ken Schwaber und Jeff Sutherland, die mal mehr, mal weniger als Erfinder von Scrum gelten sowie der Autor Martin Fowler. Alle zusammen kamen schnell zu der Überzeugung, dass sie für die gleichen Ideale eintraten. In diesen drei Tagen schrieben sie das „Agile Manifesto“, das Geschichte machen sollte und modernen Programmiermethoden den Namen gab: „Agil“.

Es enthält 12 Prinzipien und stellt viele der zur Jahrtausendwende vorherrschenden Ansätze zur Erstellung von Software auf den Kopf. Menschen und Kommunikation sind für die Autoren wichtiger als Prozesse oder Werkzeuge. Folgerichtig messen sie der Zusammenarbeit mit Kunden einen höheren Wert bei als Vertragsverhandlungen. Auch deshalb ist ihnen die Software wichtiger als die Dokumentation oder der Projektplan. Früher dominierten Lasten- und Pflichtenhefte beim Bau von neuen IT-Systemen den Arbeitsalltag. Der Nutzer war in diesem Szenario nur ein Störfaktor.

Agile Programmiermethoden bauen ein IT-System wie einen App-Store mit vielen kleinen Anwendungen darin. CIO, Systemarchitekten und Vertreter der Anwender entscheiden gemeinsam, welche Funktionen wirklich gebraucht werden. Es sinkt die Gefahr, nach einer langen Planung am Reißbrett ein völlig veraltetes System in Betrieb zu nehmen. Bei der agilen Programmierung wird stärker das Unvorhersehbare einkalkuliert. Unmittelbares Feedback ist möglich. Wenn eine Applikation misslingt, kann sie schnell wieder entfernt und verändert werden, ohne große Flurschäden zu produzieren.

„Das Agile Manifesto bricht mit den Grundsätzen des traditionellen Projektmanagements. Es bringt eine Revolution auf den Punkt und wurde mittlerweile in 55 Sprachen übersetzt“, so der Innovationsexperte Jügen Stäudtner. Ausführlich nachzulesen in seinem Opus „Innovationsstau“.

Begonnen hat das Umdenken aber schon früher. Bereits 1986 haben die Japaner Hirotaka Takeuchi, Ikujiro Nonaka das in Projekten bei Fuji-Xerox, Canon, Honda oder 3M untermauert, wie man durch Wiederholungen und Parallelisierungen von Arbeitsschritten sehr innovativ sein kann.

„Sie haben kein IT-Projekt beschrieben, sondern den Bau eines neuen Kopierers, einer Kamera und eines neuen Autos. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann alles genau planen und jede Eventualität bedenken. Oder man fängt einfach an und beschäftigt sich mit dem, was kommt. Das ist kein Plädoyer für den Verzicht auf Konzepte. Sie sind unerlässlich, um die Entwicklung strukturiert zu steuern. Es darf nur nicht zu Starrheit im Management führen“, sagt Jürgen Stäudtner.

Wer von unseren Leserinnen und Lesern hat Erfahrungen mit den Prinzipien des Agile Manifesto gemacht? Wir stellen diese Projekte in unserem Blog gerne vor. Kontaktiert uns 🙂

(Gunnar Sohn)

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