Mit Working out Loud ist eine vielbesprochene Praxis und Methode in den Unternehmen unterwegs, die die klassischen Change-Management Werkzeuge und Maßnahmen bezogen auf Erfolg und Einfachheit in den Schatten stellt. Vielfach wird dieser Ansatz als Selbsthilfegruppe abgetan. Dem muss ganz klar entgegengetreten werden: Working out Loud schafft es einen Wandel auf der Individualebene anzustoßen, und aus dieser Mikroebene in die Makroebene von Team und Organisation zu übertragen. Working out Loud als Prinzip und als Methode schafft schneller, einfacher und erfolgreicher die Herausforderungen des Wandels in Organisationen umzusetzen, als jede minutiös geplante Change-Management Kampagne. Doch wodurch wirkt Working out Loud?

Hierfür müssen wir uns anschauen, wie sich Working out Loud zusammensetzt, wo es herkommt und wozu man diese Herangehensweise für Lernen, Erkenntnis und Erfahrung heranziehen kann.

Working out Loud als solches kann man in der Öffentlichkeit auf einen Protagonisten fokussieren: John Stepper hat 2014 mit seinem Blogpost „The five elements of working out loud“ gestartet und daraus relativ schnell die entsprechende Lern- und Erfahrungsmethodik geliefert, die die fünf Elemente erfahrbar und erlernbar machen. Grundsätzlich ist der Ansatz nach den fünf Elementen nicht neu aber sie wurden durch John Stepper in einen verständlichen und vor allem erlebbaren Rahmen gegossen.

  • Beziehungen
  • Großzügigkeit im Teilen
  • Sichtbarmachen der eigenen Arbeit und Ergebnisse
  • Zielgerichtetes und sinnvolles Entdecken
  • Lernorientierte Denkweise

Dieses fünf Elemente sind die Bestandteile der sogenannte Circles. Für die Methode werden 12 Circle in 12 Wochen abgehalten. Jeder Circle ist mit einer Stunde veranschlagt und folgt einer strikten aber wirkungsvollen Agenda mit Aufgaben, Beispiele, Blogbeiträgen und Übungen. Die Empfehlung ist, dass maximal sechs Teilnehmer an einem Circle teilnehmen inklusive eines erfahrenem Facilitators. Der Circle schafft einen vertrauten und geschlossenen Raum für Erfahrungen und Zeit und vermittelt ganz nebenbei fokussierte Community Arbeit.

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Working out Loud als Methode

Für das Verständnis zur Wirkung und Wahrnehmung von Working out Loud ist es wichtig, zu verstehen, dass sich hinter diesem Ansatz sowohl ein Prinzip wie auch eine Methode verbergen. Die Methode dient zum Erlagen der Fertigkeiten, Erfahrungen und Erlebnissen. Sie bietet über einen überschaubaren Zeitraum sowohl die Orientierung wie auch die Freiheit sich mit dem Prinzip auseinanderzusetzen und gezielt die Erfahrungen zu sammeln.

Grundlegend ist die Methode einfach strukturiert und bietet eine schnelle wie auch effektive Adoption für die Teilnehmer an. Grundsätzlich kann jeder einen eigenen Circle starten. Die Anleitung hierfür findet sich als Creative Common auf der Seite zu Working out Loud. Hier sind die sogenannten Circle Guides sowohl in Englisch wie auch in Deutsch frei verfügbar.

Was bietet nun die Methode gegenüber einer klassischen Change Kampagne an? Der erste wichtige und vor allem erfolgsnotwendige Ansatz ist, dass die Personenebene mit der persönlicher Erkenntnis- und Erfahrungsebene angesprochen wird. Es bietet den Aspekt: „Was habe ich davon?“ an und verbindet diesen mit persönlichen Zielen für den Circle. Der erste Circle beschäftigt sich von Beginn an mit der Ausformulierung und Fokussierung auf ein persönliches Ziel für den stattfindenden Circle. Working out Loud schafft also erst einmal den Vorteil für den einzelnen Teilnehmer.

Im Verlauf des Circles sammeln die Teilnehmer dann Erkenntnisse und Erfahrungen, die das individuelle Ziel schnell zum Ziel einer Community bzw. eines Teams werden kann. Die nachfolgende Agenda zeigt, wie ein solcher Circle in 12 Wochen aufgebaut ist:

  1. Wählen Sie ein einfaches Ziel und listen Sie Personen auf
  2. Bieten Sie Ihre ersten Beiträge an
  3. Arbeiten Sie an Ihren Listen
  4. Überprüfen Sie Ihre Online-Präsenz
  5. Vergrößern Sie die Bandbreite Ihre Beiträge
  6. Erweitern Sie Ihren Einflussbereich
  7. Machen Sie eine Gewohnheit daraus
  8. Üben Sie Empathie und Engagement
  9. Entdecken Sie originellere Beiträge
  10. Werden Sie systematischer
  11. Stellen Sie sich vor, was alles möglich wäre
  12. Reflektieren und feiern

Die Working out Loud Methode bietet einen Raum und vor allem die Zeit eine digitale Denkweise zu entwickeln und vor allem die Erfahrungen dazu zu machen. Das digitale Mindset wird überall in der digitalen Transformation gefordert. Doch vielfach fehlen dazu die Orientierung und vor allem die Zeit, die notwendigen Erfahrungen zu machen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist Working out Loud eben auch ein Weg für CIOs sich dem digitalen Mindset nicht nur fachlich zuzuwenden, sondern auch ganz praktisch die Erfahrungen dazu zu sammeln.

Working out Loud als Prinzip

Als Prinzip zeigt Working out Loud auf, wie Arbeiten, Zusammenarbeit und Teams/Communities funktionieren können, wenn sie sich an den fünf Elementen orientieren. Selbstverständlich sind die fünf Elemente erst einmal losgelöst vom Digitalem aber im selben Zuge sind es Voraussetzungen, die für die unterschiedlichen Anforderungen der digitalen Transformation immanent sind.

Working out Loud zeigt also auch auf welche Rolle Beziehungen und Netzwerke im digitalen Unternehmen spielen. Sich diese Netzwerke aufzubauen und vor allem den Faktor weak tie zu beachten, ist für die meisten eine fehlende Erfahrung.

Teilen als solches wird schon immer proklamiert in Zeiten der Vernetzung. Vor allem ist hier aber der Aspekt der Großzügigkeit enorm wichtig. Working out Loud zeigt hier klar auf, dass Teilen nicht immer mit einem Win Win zu berechnen ist, sondern aus der Menschlichkeit hervorgeht. Ich teile, weil ich helfen will.

Mit dem Sichtbarmachen der eigenen Arbeit wird genau der Aspekt angesprochen der wortwörtlich im Working out Loud steckt. Ich zeige meinem Netzwerk und meiner Organisation was ich machen, um Hilfe zu bekommen und für andere eine Hilfestellung zu ihren Themen anzubieten.

Ein vielfaches Argument gegen die digitale Nutzung von Netzwerken und Zusammenarbeitsmöglichkeiten im Digitalen ist die Sinnstiftung. Und genau hier macht Working out Loud die Change Erfahrung wichtig und richtig: Das Digital Mindset ist für mich und mein Ziel wichtig. Mein Handeln ist zielgerichtet und sinnvoll und vor allem habe ich ein Ziel formuliert.

Die lernorientierte Denkweise ist eine der schwierigen Nüsse, die es zu knacken gilt. Working out Loud setzt voraus, dass der Mensch immer weiter lernen möchte und kann. Deshalb bietet Working out Loud eben den Freiraum zum Lernen an und fördert und fordert diesen.

Der aktuelle TED Talk von John Stepper schafft noch einmal ein sehr spannendes und vor allem überzeugendes Momentum sich Working out Loud zuzuwenden.

Einfach mal machen und die Zeit dazu haben

Der eine große Vorteil vor allem im Management Bereich von Working out Loud ist:

Es wird Ihnen die Zeit und der Raum geboten, die notwendigen Erfahrungen zu sammeln und für sich persönlich zu lernen. Sie haben den Freiraum auszuprobieren und Working out Loud bietet Ihnen dazu den geschützten Raum. Sie können Ihr eigenes Digital Mindset aufbauen, erweitern und erfahren und nutzen dazu die Community, die mit Ihnen Working out Loud lernt. Sie machen die Erfahrungen für:

  • Sich als Person mit Ihrem Ziel
  • Sie erkennen die Möglichkeiten der Community und Teamarbeit
  • Sie bekommen Hilfe aus unbekannten Quellen
  • Sie lernen immer wieder dazu
  • Sie erweitern Ihr Netzwerk menschlich und fachlich

Fangen Sie einfach an und wenn Sie Hilfe brauchen, dann fragen Sie einfach hier nach.

(Sebastian Thielke)

Posted by Sebastian Thielke

Sebastian Thielke ist seit 2017 bei der IBM und von Beinen auf ein Verfechter für das Miteinander der Menschen. Neue Formen von Arbeit, Zusammenarbeit und Organisation sind immer wieder die Antriebsfeder im Schaffen des Consultants für digitale Strategie. Auf Twitter sind seine akuellen Beiträge sowie sein Netzwerk unter @sthielke zu finden. Einfach vernetzen und mitdenken.

4 Comments

  1. […] Thielke hat hier diesen viel beachteten Artikel zu Working out Loud für CIOs geschrieben. Andreas Stiehler von PAC […]

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  2. Sebastian hat diesen viel beachteten Artikel zu Working out Loud für CIOs geschrieben. Andreas Stiehler von PAC kommentiert zu Working Out Loud und Design Thinking: https://ciokurator.com/2017/06/04/andreas-stiehler-zu-working-out-loud-und-design-thinking-hype-oder-bald-selbstverstaendlichkeit/

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  3. […] eine Erfahrungsmethode. Wenn man so möchte, ist sie eine sehr praktisch orientierte Lernmethode. Dazu habe ich mich schon im letzten Blogpost geäußert. Sicherlich lassen sich agile Momente ausmachen. Aber dennoch passt die Klassifizierung für […]

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  4. Hat dies auf Johanna Brühl rebloggt und kommentierte:
    Working out Loud ist eine neue Praxis in Unternehmen das selbstgesteuerte Lernen und die Vernetzung von Menschen und Wissen voranzutreiben. Als Nebeneffekt wird dabei die digitale Transformation im Unternehmen vorangetrieben. Es entsteht eine neue Kultur des hierarchiefreien Miteinanders und der Kooperation auf Augenhöhe. Ein schöner Artikel der die Methode „Working out Loud“ erklärt.

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